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Lange nichts gehört

Zeigen, dass man aneinander denkt.

Viele Gespräche und Telefonate beginnen mit der Floskel „Lange nichts gehört“, und nicht selten klingt etwas Traurigkeit mit darin. Sicher, der Gesprächspartner hätte schon längst anrufen oder vorbeischauen können; auch ein Brief, eine E-Mail oder eine SMS wären angebracht gewesen. Doch Hand aufs Herz – wie steht es mit uns selbst? Auch wir hätten uns auf irgendeine Weise schon melden oder ein Lebenszeichen von uns geben können. Zugegeben, es ist immer leichter – und auch bequemer – den Schwarzen Peter dem anderen in die Schuhe zu schieben. Aber wenn jeder so denken würde, dann gäbe es bald überhaupt keine Verbindungen und freundschaftliche Nachfragen mehr, sondern nur noch geschäftliche Kommunikation.

Dabei kostet es kaum Mühe, einen Freund, Bekannten, ehemaligen Kollegen etc. anzurufen und ihm damit zu zeigen, dass man an ihn denkt. Mehr ist oftmals nicht nötig, um Freude und sogar Hochstimmung aufkommen zu lassen. Und wie oft sitzen wir selbst vor dem Telefon und hoffen, dass der nächste Anruf statt sinnloser Werbung oder obskurer Gewinnspiele von einem lieben Menschen kommen möge, mit dem wir uns unterhalten können? Die aufrichtige Frage nach unserem Wohlergehen ist selten geworden, leider. Deshalb sollten wir nicht alles auf die Universalausrede „keine Zeit“ schieben, sondern den Stier bei den Hörnern packen und selbst aktiv werden.

„Lange nichts gehört“ wird dann natürlich auch weiterhin zu unserem Sprachgebrauch gehören, doch können wir diese Redewendung zumindest ohne schlechtes Gewissen hören und die eben gewonnene Erkenntnis in freundlichen Worten unserem Gesprächspartner nahe bringen. Und vielleicht wird sich „lange nichts gehört“ in „schön, dass du dich meldest“ verwandeln?!

30.07.2010 14:47:24