Viele Gespräche und Telefonate beginnen mit der
Floskel „Lange nichts gehört“, und nicht
selten klingt etwas Traurigkeit mit darin. Sicher, der
Gesprächspartner hätte schon längst anrufen
oder vorbeischauen können; auch ein Brief, eine E-Mail
oder eine SMS wären angebracht gewesen. Doch Hand aufs
Herz – wie steht es mit uns selbst? Auch wir
hätten uns auf irgendeine Weise schon melden oder ein
Lebenszeichen von uns geben können. Zugegeben, es ist
immer leichter – und auch bequemer – den
Schwarzen Peter dem anderen in die Schuhe zu schieben. Aber
wenn jeder so denken würde, dann gäbe es bald
überhaupt keine Verbindungen und freundschaftliche
Nachfragen mehr, sondern nur noch geschäftliche
Kommunikation.
Dabei kostet es kaum Mühe,
einen Freund, Bekannten, ehemaligen Kollegen etc. anzurufen
und ihm damit zu zeigen, dass man an ihn denkt. Mehr ist
oftmals nicht nötig, um Freude und sogar Hochstimmung
aufkommen zu lassen. Und wie oft sitzen wir selbst vor dem
Telefon und hoffen, dass der nächste Anruf statt
sinnloser Werbung oder obskurer Gewinnspiele von einem
lieben Menschen kommen möge, mit dem wir uns
unterhalten können? Die aufrichtige Frage nach unserem
Wohlergehen ist selten geworden, leider. Deshalb sollten wir
nicht alles auf die Universalausrede „keine
Zeit“ schieben, sondern den Stier bei den Hörnern
packen und selbst aktiv werden.
„Lange
nichts gehört“ wird dann natürlich auch
weiterhin zu unserem Sprachgebrauch gehören, doch
können wir diese Redewendung zumindest ohne schlechtes
Gewissen hören und die eben gewonnene Erkenntnis in
freundlichen Worten unserem Gesprächspartner nahe
bringen. Und vielleicht wird sich „lange nichts
gehört“ in „schön, dass du dich
meldest“ verwandeln?!